01.02.2006

Warum Globalisierung?

Wenn es eine Zukunft für die Menschheit geben soll, kann sie sich nicht mehr in Abgrenzung, in Kriegen und im alleinigen Streben nach nur egozentrischem Materialismus und Protektionismus ergehen. Die Zukunft liegt in neuen positiven, weltumspannenden Visionen. Dazu kann die Globalisierung beitragen. Und deshalb kann sie von keinem Unternehmer, der zukunftsorientiert denkt, außer acht gelassen werden.

Es müsste verständlich sein, dass ein Unternehmen sozial verpflichtet ist, seine Existenz nachhaltig zu sichern. Das heißt: Ertrag und Aufwand müssen in einem gesunden Verhältnis stehen. Eine Binsenweisheit.

Der historische Grund, ins Ausland zu gehen, waren wohl die dort vorhandenen Absatzmärkte. Nun könnte man – wettbewerbsfähige Preise vorausgesetzt - im Inland hergestellte Produkte einfach exportieren. Das stößt dort an Grenzen, wo Protektionismus herrscht. Hier bleibt dem Unternehmer nichts anders übrig, als Produktionsstätten im entsprechenden Binnenmarkt zu schaffen. Ein weiterer Grund – gerade für Zulieferer – besteht darin, dass der Endkunde sein Fertigungswerk im Ausland hat und seine Lieferanten mehr oder weniger zwingt, lokal zuzuliefern. Und es stößt dort an Grenzen, wo die Transportlogistik die Lieferung über weite Distanzen unwirtschaftlich werden lässt.

Mindest ebenso wichtig ist jedoch die Kostenseite. Auch wenn in Deutschland die Lohnstückkosten im letzten Jahr offenbar rückläufig waren, so sind sie im internationalen Vergleich nach wie vor sehr hoch. Nach Berechnungen des Instituts der Deutschen Wirtschaft lagen sie im Jahr 2003 immer noch etwa 16% über denen in Frankreich und den USA. Der jüngste Rückgang ist auf Reduzierungen bei übertariflichen Leistungen und auf flexiblere Arbeitszeiten ohne Überstundenzuschläge zurückzuführen. Die Lohnkosten werden jedoch nicht nur von Lohn oder Gehalt beeinflusst, sondern auch stark von den Lohnnebenkosten, vorwiegend von den Beiträgen für die soziale Sicherung. Ein Teufelskreis: Je weniger Menschen beschäftigt sind, desto weniger können in die Sozialkassen einbezahlen. Und damit steigt deren Defizit mit dem Ergebnis, dass die Beiträge eigentlich erhöht werden müssten. Kein Politiker wird dies seinen Wählern zumuten wollen. Letztendlich trägt der Steuerzahler einen immer höheren Teil der Last.

Der Unternehmer weicht dieser Problematik aus, in dem er Arbeitsplätze „exportiert“. Er schafft Beschäftigung dort, wo sie „preiswert“ ist. Eine DIHK-Umfrage vom Frühjahr 2005 zeigt, dass der Trend ungebrochen ist. Im Inland halten sich die Unternehmen mit Investitionen zurück. 42% der Befragten planen jedoch eine Aufstockung ihres ausländischen Investitionsbudgets.  

Gerade einfache Arbeiten werden in Länder mit niedrigem Lohnniveau verlagert. Menschen in den „emerging markets“ sind bereit, zu völlig anderen, für den Unternehmer günstigeren Bedingungen zu arbeiten. Diese anderen Bedingungen umfassen Lohnhöhe, Urlaub, Arbeitszeiten und andere Nebenleistungen. Dies bedeutet Gefahr und Chance zugleich: Gefahr in so weit, als weniger gut ausgebildete Mitarbeiter es bei uns immer schwerer haben werden, eine Stelle zu finden. Chance dadurch, dass unser nach wie vor noch gutes Bildungssystem breiten Schichten die Möglichkeit gibt, über eine gute Ausbildung sich für Aufgaben zu qualifizieren, die nicht unbedingt verlagert werden können.  

Demnach werden Arbeitsplätze anderswo geschaffen. Auch dies kann eine Chance für alle sein. Es entsteht Kaufkraft, die auch für Artikel verwendet wird, an denen unsere Wirtschaft  partizipiert.

Betriebsverlagerungen und der damit verbundene Arbeitsplatzabbau in Deutschland sollten aber nie leichtfertig in Erwägung gezogen werden. Sie sollen dazu beitragen, die Unternehmensexistenz langfristig zu erhalten. Jedes Unternehmen muss Renditeziele haben, auch aus sozialer Verpflichtung heraus. Seien wir doch ehrlich: Für sich persönlich empfindet niemand eine angemessene Rendite als unanständig. Nicht einmal die Globalisierungsgegner!

Alfred Speth
Geschäftsführender Gesellschafter