Das Unternehmensleitbild
Was bedeutet ein Unternehmensleitbild? Es ist eine grundsätzliche Aussage darüber, wie sich eine Firma sieht, welche Werte sie verkörpert und welche Ziele sie erreichen will. Es ist damit gewissermaßen ein „Grundgesetz“. Ähnlich wie im normalen Rechtsleben können solche Grundsätze nur Normen, allgemein formulierte Ziele und Wertvorstellungen beinhalten, nicht konkrete Planungen oder operative Vorgaben. Allerdings können Teile der langfristigen strategischen Planung darin auftauchen, soweit sie das unternehmerische Geschehen als Ganzes repräsentieren. Ein solches „Grundgesetz“ gilt nach innen und außen: Die Mitarbeiter müssen danach leben, die Geschäftspartner müssen entsprechend behandelt werden. Gerade die Mitarbeiter werden aber ein Leitbild nur akzeptieren, wenn es von „ganz oben“ kompromisslos vorgelebt und eingehalten wird.
Warum brauchen wir ein Leitbild? Jeder Geschäftspartner hat das Recht zu wissen, mit wem er es zu tun hat. Dies kann in Form einer Aussage zur eigenen Kernkompetenz geschehen, es kann als Formulierung erfolgen, wie Partner behandelt werden. Daneben sollte klar manifestiert sein, wie Vorgesetzte und Mitarbeiter miteinander umgehen. Hier entsteht „einklagbares Recht“ des Mitarbeiters und damit ein gewisser, zumindest moralischer Schutz vor willkürlichem Umgang gerade für gelegentlich kritische, damit aber vielleicht umso wertvollere Mitarbeiter. Noch ein Aspekt: Ein Bewerber oder neuer Mitarbeiter wird anhand des Leitbildes erkennen, ob er sich mit diesen Grundsätzen identifizieren kann. Damit ist eine wichtige Voraussetzung erfüllt, dass er sich an seinem neuen Arbeitsplatz wohlfühlt.
Wie wird es erarbeitet? Ein Grundsatz vorab: Sehr sorgfältig und unter Beteiligung möglichst vieler Mitarbeiter! Erarbeitung und Formulierung können einmal im Rahmen eines Strategie-Meetings erfolgen. Oder aber das Thema wird für einige Zeit Teil von regelmäßigen Abteilungsbesprechungen, um am Schluss in einem Workshop den nötigen „Feinschliff“ zu erhalten. Je mehr Mitarbeiter beteiligt sind und ihre Ideen einbringen können, desto höher ist die Akzeptanz, da der einzelne sich vielleicht in bestimmten Formulierungen wiederfindet. Wenn das Leitbild fixiert und verabschiedet ist, muss es an alle kommuniziert werden. Die Möglichkeiten dazu sind vielfältig, sie reichen von Betriebsversammlungen über Aushänge bis zum Aushändigen eines persönlichen Schreibens. Die Kommunikation nach außen erfolgt durch Aufnahme in Werbe- und PR-Materialien, durch Darstellung auf der eigenen Homepage im Internet und alle Möglichkeiten, die eine moderne Öffentlichkeitsarbeit bieten.
Was kann ein modernes Leitbild enthalten? Jedes Unternehmen ist ein Individuum und somit einzigartig. Dies muss auch das Leitbild widerspiegeln. Trotzdem gibt es einige Hinweise, was in gut formulierten Grundsätzen enthalten sein kann: Selbstverständnis, evtl. Geschichte des Unternehmens (z.B. eigenständig, mittelständisch, Familienunternehmen, Teil eines Konzerns o.ä.); Kernkompetenz (Hersteller, Handel, Dienstleister usw.); vielleicht Führungsanspruch innerhalb einer Branche oder eines Segments; bediente Kundengruppen oder regionale Abgrenzung; Abgrenzung zum Wettbewerb. Aussage zum Umgang mit Mitarbeitern. Verhalten gegenüber Kunden und Lieferanten. Grundsätze der Information und Kommunikation. Geplante Entwicklungen und eine Aussage darüber, wie diese verwirklicht werden sollen (Visionen). Und nicht zuletzt darf durchaus betont werden, dass das Unternehmen, auch aus sozialer Verpflichtung heraus, Gewinn erzielen muss!
Fazit: Ein gutes Leitbild sollte die Unternehmenskultur als Gesamtheit der Wertvorstellungen, Verhaltensweisen und Ziele widerspiegeln. Es hilft, den Firmenerfolg langfristig zu sichern, wenn es richtig erarbeitet wurde, täglich gelebt, gelegentlich kontrolliert und kritisch hinterfragt wird und damit das Selbstverständnis des Unternehmens nach innen und außen kommuniziert.
Alfred Speth
Geschäftsführender Gesellschafter
