Kurzarbeit - was nun?
Die Wirtschaftskrise dauert nun seit nahezu einem Jahr an. Keine seriöse Prognose kann zuverlässig ein Ende vorhersagen. Viele Firmen reagieren auf einbrechende Auftragseingänge – und damit Umsatzverluste – durch Zurückfahren ihrer Kapazitäten, dadurch sind die Mitarbeiter direkt betroffen. Glücklicherweise gibt es das Instrument der Kurzarbeit. Es hat in vielen Fällen dazu geführt, dass Menschen nicht entlassen werden, jedoch kürzer arbeiten müssen. Damit ist häufig ein schmerzlicher Einkommensverlust verbunden. Verantwortungsbewusste Unternehmer versuchen, ihre Mitarbeiter zu halten, um für einen kommenden Aufschwung – auch wenn dessen Beginn „in den Sternen“ steht – gerüstet zu sein. Sie wissen: Der Arbeitsmarkt wird wieder eng und Suche, Einstellung und Qualifizierung neuer Beschäftigter ist langwierig und teuer.
Einer kürzlich ausgestrahlten Fernsehdokumentation war zu entnehmen, dass es viele seriöse Unternehmen gibt, die die Möglichkeit der Kurzarbeit fair und gerecht einsetzen. In einer Reihe von Fällen wird die freie Zeit für Qualifizierungsmaßnahmen genutzt und damit ein Aufschwung sinnvoll vorbereitet. Leider gibt aber auch „schwarze Schafe“, die den Mitnahmeeffekt ausnutzen, ihre Mitarbeiter mehr oder weniger regulär arbeiten lassen, trotzdem Kurzarbeit anmelden und sich die entsprechenden Gelder von der Arbeitsagentur erstatten lassen.
Was bedeutet dies für die von der Kurzarbeit betroffenen? Zunächst sollte man kritisch überprüfen, ob der Auftragseingang tatsächlich eingebrochen ist bzw. die Geschäftslage sich verschlechtert hat. In fast jedem Bereich des Unternehmens ist dies erkennbar – weniger Fertigungsaufträge, weniger Versandaufträge, weniger Umsatz, Kundenzurückhaltung, unsachliche Reklamationen seitens der Kunden, Verträge mit Leiharbeitern werden nicht mehr verlängert und vieles mehr. Ist dies der Fall und kommuniziert die Firma dies offen und nachvollziehbar, sollte man loyal zu seinem Arbeitgeber stehen und versuchen, eventuelle eigene Engpässe zu überbrücken. Dies gilt insbesondere auch dann, wenn das Unternehmen die genannten Qualifizierungsmaßnahmen durchführt. Es dokumentiert damit eindeutig, dass ihm am Mitarbeiter gelegen ist, diesen halten möchte und damit seiner sozialen Verpflichtung nachkommt.
Anders ist es, wenn Kurzarbeit nur dazu genutzt wird, die Ergebnisse des Unternehmens zu verbessern. Dies ist ein Hinweis darauf, dass der Mitarbeiter wenig zählt und die Firma auf seine Kosten Vorteile sucht. Hier sollte kritisch hinterfragt werden, ob dies noch der richtige Arbeitgeber ist. Betroffene sollten sich dem Arbeitsmarkt zuwenden, Anzeigen in Tageszeitungen oder Fachzeitschriften ansehen, die einschlägigen Internet-Stellenbörsen regelmäßig überprüfen, evtl. ein Stellengesuch aufgeben und sämtliche persönlichen Netzwerke und Kontakte, die zur Verfügung stehen, nutzen. Eine weitere Möglichkeit besteht darin, mögliche Wunsch-Arbeitgeber aufzulisten und deren Homepages regelmäßig zu besuchen. Die meisten Firmen veröffentlichen hier ihre Stellenangebote, es ist immer von Vorteil, wenn man sich dann auf ein konkretes Angebot bewerben kann. Natürlich kann ein Stellenwechsel in der jetzigen Situation auch seine Tücken haben: Ein Neuer hat eine kurze Kündigungsfrist, sollte der potenzielle Arbeitgeber Schwierigkeiten bekommen, kann ein Mitarbeiter in der Probezeit ohne größere Probleme wieder entlassen werden. Hier hilft nur, möglichst umfangreiche Erkundigungen über die neue Firma einzuholen, ihren Ruf als Arbeitgeber zu hinterfragen und, wenn möglich, die wirtschaftliche Situation in Erfahrung zu bringen.
In jeder Krise liegt auch eine Chance! Nutzen Sie die Zeit der Kurzarbeit für weitere Qualifikationen – sollte Ihre Firma dies nicht anbieten, können Sie auch selbst aktiv werden. Anbieter gibt es genügend. Und wenn Sie das Gefühl haben, dass Ihre berufliche Zukunft nicht beim jetzigen Arbeitgeber liegt, suchen Sie nach Alternativen.
Alfred Speth
Geschäftsführender Gesellschafter
