06.04.2006

Globalisierung – die negativen Seiten

Wenn die Autoren Hans-Peter Martin und Harald Schumann in ihrem Buch „Die Globalisierungsfalle“ beschreiben, so schildern sie ein negatives Szenario der Globalisierung in Bezug auf Demokratie und Wohlstand. Allerdings führen sie auch auf, dass es realistische Alternativen gibt, dergestalt, dass die Globalisierung nicht unbedingt in eine Sackgasse führen muss. Und in einem Satz dieses Buches heißt es: Ein Leben in sozialem Frieden wäre weiterhin möglich. Dieses Buch ist mit seiner ersten Auflage vor einigen Jahren erschienen. Zwischenzeitlich hat sich auch im Bereich der Globalisierung einiges getan. Und das nicht nur zum Schlechten. Jedem Menschen dürfte klar sein, dass unser Leben nicht in einem Paradies gelebt wird. Wobei natürlich angemerkt werden darf, dass es manchen Menschen materiell besser geht als anderen. Ob diese aber zufriedener oder glücklicher sind, ist dabei eine ganz andere Frage. 

In allen Bereichen des Lebens gibt es Positives und Negatives. Warum sollte gerade die Globalisierung von letzterem verschont bleiben? Prallen so viele Gegensätze in Form von Kulturen, Mentalitäten, wirtschaftlichen Strukturen und Religionen aufeinander, wundert es nicht, dass dies auch mit negativen Erscheinungen verbunden ist. In unseren bisherigen Artikeln haben wir bewusst die negativen Seiten nicht behandelt. Zweifelsohne gibt es diese. Einige Beispiele sollen dies verdeutlichen: Die Globalisierung wird in vielen Fällen nicht nur durch „künstliche Abschottung“, sondern von einigen Machtbesessenen in Politik und hauptsächlich in der Finanzwirtschaft, aber auch bei manchen Religionsführern durch geschickte Kanalisation beeinträchtigt. Hier sprechen wir von Korruption. Diese hat es schon immer verstanden, den wirtschaftlichen Wettbewerb durch gezieltes „Protegé“ zu umgehen. Durch die weltweite Globalisierung nimmt diese negative menschliche Eigenschaft auch zu. Korruption ist immer ein abgekartetes Spiel, bei dem Gewinner und Verlierer längst feststehen. Diese hinterhältigen Machenschaften kosten die Weltbevölkerung, vorsichtig geschätzt von „Transparency International“, jährlich rund drei Prozent des gesamten menschlichen Wohlstandes. Die Korruption dürfte eine der fleißigsten „Totengräber“ der Marktwirtschaft und der Globalisierung sein. Eigentlich gehören nicht nur die Bestechlichen bestraft, sondern auch die Bestechenden. Ein anderes Problem ist die noch weit verbreitete Kinderarbeit. Viele Länder, in denen dies geschieht, haben noch nicht begriffen, wie man ihre Produkte, an denen Kinder mitarbeiten, mit internationalem „Bann“ belegen kann. Kinderarbeit ist sicherlich ein sehr negatives Zeichen der Globalisierung. 

Ein anderes Beispiel ist, dass Menschen noch unter den unwürdigsten Bedingungen beispielsweise in Bergwerken arbeiten müssen. Dazu kommt ein Lohndumping, das zu Arbeitsplatzverlusten führen kann. Nicht zu vergessen, das Shareholder-Value-Denken von manchen Konzernlenkern, die dadurch sich in hohem Maße bereichern und wenig Rücksicht auf den arbeitenden Menschen nehmen. 

Es wäre naiv zu glauben, dass es bei der Globalisierung keine Risiken gäbe. Jede Neuerung, jede Reform sind riskant. Was aber nicht sein sollte, ist ein „overkill“ an Angstmacherei. Globalisierungsgegner erzeugen immer Angst, um den Menschen die „eigenen Rezepte“ anzubieten. Angst lässt den Menschen immer verkrampfen. Keine positiven Kräfte können durch sie entstehen. Und gerade dies hat die Weltgemeinschaft nötig, um ohne Kriege in vernünftigem wirtschaftlichen Wohlstand zu leben. Die Globalisierung bietet trotz einiger negativer Erscheinungen diese Chance. Wenn wir in unserem letzten Artikel vermerkt haben, dass die früheren Entdecker schon Globalisierung betrieben und kritische Leserbriefe darauf hinweisen, dass diese auch, um eigene Interessen zu verwirklichen, andere Menschen unmenschlich behandelten, so ist das richtig,  hat aber mit dem Grundgedanken der Globalisierung nicht zu tun. Es wäre doch absurd und töricht zugleich, den Menschen als solchen grundsätzlich negativ zu beurteilen, weil es eben auch Menschen gibt, die Verbrechen begehen.

Alfred Speth
Geschäftsführender Gesellschafter