01.03.2006

Zur Geschichte der Globalisierung

Hat es Globalisierung schon immer gegeben oder ist sie eine Erscheinung der Neuzeit? Wurden wir von ihr überrascht, ist sie förmlich über uns hereingebrochen? 

Wenn wir Globalisierung als „den Erdball umfassend“ verstehen, gibt es sie allerdings noch nicht sehr lange. Aber: Schon im Altertum wurden Waren so weit transportiert, wie es die damaligen Transportmöglichkeiten zuließen. Diese Güter waren einerseits Rohstoffe, die irgendwo anders weiterverarbeitet wurden, andererseits Fertigwaren, die zu den Verbrauchern gelangten. Dass der Umfang begrenzt und überschaubar war, liegt an den mühsamen und langwierigen Transporten. Landtransport war langsam und gefährlich, in Küstenregionen und entlang der schiffbaren Flüsse wurde allerdings auch damals schon viel umfangreicherer Warenaustausch betrieben. 

Eine neue Dimension nahm dies im Zeitalter der Entdeckungen an. Fernreisen in andere Kontinente – wenn auch gefährlich und mit großen Risiken verbunden – wurden aufgenommen. Motiv war einmal die Neugierde – was liegt wohl auf der anderen Seite der Ozeane? Wahrscheinlich wichtiger war jedoch die Gier nach Edelmetallen. Gerade Südamerika wurde von den Spaniern diesbezüglich förmlich ausgebeutet. Doch nicht nur Gold fand seinen Weg nach Europa. Gewürze, Früchte, andere Grundnahrungsmittel wie die Kartoffel sowie die unterschiedlichsten Rohstoffe wurden importiert. Der Warenaustausch war ziemlich einseitig, die neuen Länder waren meistenteils Lieferanten, in viel geringerem Umfang auch Kunden. 

Ende des vorletzten und Anfang des letzten Jahrhunderts versuchten die europäischen Mächte, die Welt, insbesondere im asiatischen und afrikanischen Raum, in Einflusssphären aufzuteilen. Von Großmachtinteressen abgesehen standen hier nun eindeutig auch wirtschaftliche Gesichtspunkte im Vordergrund. Auch diese Länder wurden als Rohstofflieferanten genutzt, allerdings auch (?) in stärkerem Maße mit eigenen Fertigprodukten beliefert. Der erste Weltkrieg reduzierte die Anzahl der Kolonialmächte, zwischen den Kriegen fand der etwas einseitige Warenaustausch jedoch seinen Fortgang. 

Nach dem zweiten Weltkrieg wurden die einstigen Kolonien nach und nach in ihre Unabhängigkeit entlassen – teilweise freiwillig, teilweise nach Befreiungskämpfen. Es entstanden viele unabhängige Wirtschaftsräume mit in der Regel unterentwickelten Volkswirtschaften. Die Entwicklung kostete Geld, zunächst wurde dies wieder durch Export der vorhandenen Rohstoffe gewonnen. Allerdings setzte sich nach und nach die Erkenntnis durch, dass mit der Veredelung von Produkten mehr Geld zu verdienen sei. Die weltweite Arbeitsteilung nahm ihren Anfang – auch maßgeblich unterstützt durch die modernen Transportmöglichkeiten. In Nordafrika und in Asien wurden plötzlich Textilien geschneidert und genäht, mechanische Fertigungen entstanden.

Alfred Speth
Geschäftsführender Gesellschafter