02.12.2009

Gekündigt – und dann?

Die Krise setzt sich fort, Arbeitnehmern muss betriebsbedingt gekündigt werden. In diesem Beitrag wird unterstellt, dass die Kündigung rechtmäßig erfolgte, auf Fragen wie Interessensausgleich, Sozialauswahl, Anhörung Betriebsrat, Information der Agentur für Arbeit, ggf. Einschalten eines Rechtsbeistandes soll nicht näher eingegangen werden.

Kündigung – ein traumatisches Erlebnis. Zunächst ist die Trennungssituation individuell zu verarbeiten. Hilfreich sind Gespräche innerhalb der Familie, mit Freunden – die vielleicht schon mit einem ähnlichen Problem konfrontiert wurden –, mit Kollegen oder mit einem professionellen Coach. Es nützt nichts, mit dem Schicksal zu hadern, man muss die Situation annehmen, nach vorne schauen, sich auf seine Stärken besinnen und schnellstmöglich die Suche nach einer neuen Stelle aufnehmen.

Finden Sie zunächst heraus, ob Ihr bisheriger Arbeitgeber bereit ist, Sie in irgendeiner Form bei der Stellensuche zu unterstützen. Dies kann die Finanzierung einer individuellen Outplacement-Beratung sein, bei der Sie ein darauf spezialisierter Berater bei Aufbau und Inhalt Ihrer Bewerbungsunterlagen unterstützt, mithilft, geeignete Stellen zu suchen und evtl. Bewerbungsgespräche mit Ihnen simuliert und trainiert; vielleicht auch Ihr Profil potenziellen Arbeitgebern bekannt gibt. Dies können aber auch Gruppen-Outplacements sein, bei denen ähnliches angeboten wird, allerdings weniger auf den Einzelnen eingegangen werden kann.

Unabhängig davon müssen Sie aktiv werden. Was ist zu tun? Werden Sie sich zunächst über Ihre Situation und Ihre Wünsche im Klaren. Was haben Sie bisher beruflich getan? Was wollen Sie zukünftig tun? Wollen Sie in Ihrem angestammten Beruf bleiben oder etwas völlig Neues beginnen? Auch den sogenannten Quereinsteigern wird immer wieder eine Chance gegeben. Bringen Sie dann Ihre Bewerbungsunterlagen auf den neuesten Stand: Lebenslauf, Zeugniskopien, die die Schul-, ggf. Hochschulabschlüsse und beruflichen Stationen belegen, andere Dokumente, die Ihre Qualifikation untermauern. Bereiten Sie diese Daten für eine E-Mail-Übermittlung vor. Tragen sie Ihre Daten in einschlägige Online-Stellenbörsen ein. Sehen Sie regelmäßig die Anzeigen in Tageszeitungen und Fachzeitschriften durch. Besuchen Sie die Homepages von Firmen, die für Sie als Arbeitgeber interessant sein könnten, die meisten offenen Stellen werden dort veröffentlicht. Setzen Sie Ihr Netzwerk in Gang, informieren Sie nicht nur Freunde und Bekannte über Ihre Situation, sondern auch Wirtschaftsverbände, Interessensvertretungen, in denen Sie vielleicht Mitglied sind, aber auch Personalberater, die in Ihrer Region oder Ihrer Wunsch-Branche aktiv sind. Schalten Sie ein Stellengesuch. Falls Sie in einzelnen Bereichen unsicher sind oder Fragen haben, tauschen Sie sich mit Freunden aus oder konsultieren Sie einen Berater, der täglich mit diesen Themen zu tun hat.

Allerdings sollten Sie sich die Stellenangebote gründlich ansehen. Wenn gewisse Qualifikationen verlangt werden, müssen Sie diese auch erfüllen. Nicht die Anzahl von Bewerbungen, die sie verschicken, ist entscheidend, sondern Ihre Chance, zur ausgeschriebenen Stelle zu passen. Denn zurückkommende Unterlagen, häufig von einem nichts sagenden Schreiben begleitet, führen nur zu Frustration, zum Gefühl „das wird ja doch nichts“.

Sie haben sich beworben, Sie werden zu einem Gespräch eingeladen? Bereiten Sie sich darauf vor. Holen Sie möglichst viele Informationen über das Unternehmen ein. Seien Sie auf Fragen zum beruflichen Werdegang und zu Ihrer Persönlichkeit (Stärken, Schwächen, Hobbys, Führungsstil und vieles mehr) gefasst und untermauern Sie Ihre Aussagen mit Beispielen. Und: Auch Sie haben das Recht, Fragen zu stellen. Keine Fragen zu haben könnte auf fehlendes Interesse hindeuten. Betrachten Sie ein solches Gespräch, auch wenn es nicht gleich beim ersten Mal zum Erfolg führt, als Möglichkeit, dazu zu lernen. Irgendwann klappt es!

Alfred Speth
Geschäftsführender Gesellschafter