Ein Gespräch zum Abschied
Das Exit-Interview oder „Ausstellungsgespräch“
Ein Mitarbeiter kündigt – je nach seiner Kompetenz und seiner Arbeitsergebnisse herrscht mehr oder weniger große Betroffenheit bei Vorgesetzten und Kollegen. Der Kündigungsgrund wird gelegentlich genannt, manchmal entstehen auch Gerüchte und Spekulationen. Dabei könnte meist die Ursache herausgefunden und – falls sie durch das Unternehmen verursacht ist – für zukünftige Fälle unter Umständen vermieden werden. Man müsste allerdings miteinander reden, man müsste ein Ausstellungsgespräch führen.
Damit sind die Gründe für ein solches Gespräch bereits genannt. Es geht darum, Informationen über Unternehmen, Abteilung, Vorgesetzte, Mitarbeiter, Kollegen und vielleicht auch über Markt und Produkt zu bekommen. Weiterhin sollte herausgefunden werden, warum sich der scheidende Mitarbeiter in diesem Umfeld nicht mehr wohlgefühlt und die Konsequenzen gezogen hat.
Wer sollte das Gespräch führen? Der direkte Vorgesetzte empfiehlt sich nicht. Bei diesem besteht die Gefahr, dass er Themen, die ihn direkt betreffen, nicht objektiv aufnehmen kann oder will. In Firmen, die eine Personalabteilung haben, sollte deshalb der Personalleiter oder der zuständige Personalreferent der Gesprächspartner sein. In kleineren Unternehmen kann der Geschäftsführer oder Inhaber diese Aufgabe übernehmen. Es spricht nichts dagegen, einen evtl. vorhandenen Betriebsrat mit einzubeziehen.
Das Gespräch sollte zu dem Zeitpunkt stattfinden, an dem alle Formalien des Ausscheidens erledigt sind und der scheidende Mitarbeiter keine Angst vor Sanktionen (z.B. im Zeugnis) für zu große Offenheit haben muss. Wichtig sind schließlich offene, ehrliche Antworten!
Welche Ergebnisse sollten am Ende stehen? Hatte der Kündigende eine Vorgesetztenfunktion, sollte er Stärken und Schwächen seiner Mitarbeiter, Trainingsbedarf, aber auch Potenzial darstellen. Er kann sich auch über seine Kollegen äußern. Der Vorgesetzte darf ebenfalls beurteilt werden. Kurzum: Wer ist leistungsfördernd und wer ist leistungshemmend? Wichtig ist daneben jegliche Information über die Firma. Einmal ist es die persönliche Zufriedenheit mit Umfeld, Entgelt, Arbeitsbedingungen, daneben Ablaufprobleme und entsprechende Abhilfemaßnahmen. Zum anderen können Wettbewerbsinformationen, Produktideen und ähnliches diskutiert werden.
Ein Ausstellungsgespräch kostet Zeit. Es bietet aber die Möglichkeit, fast ungefiltert Information über die Organisation und die Leute, die in ihr arbeiten, zu erhalten. Es geht nicht darum, Material über andere Mitarbeiter zu sammeln, vielmehr steht im Vordergrund, das Informationspotenzial zu nutzen, um das Unternehmen leistungsfähiger zu machen.
Alfred Speth
Geschäftsführender Gesellschafter
