01.11.2005

Eigenverantwortung im Beruf

Wer kennt das nicht: Unzufriedenheit im Job, vorübergehend oder als Dauerzustand, und schuld sind alle, denen es einfach besser geht, die die stärkeren Ellenbogen haben oder gleich hierarchisch übergeordnet sind. Oder es sind die Arbeitsbedingungen im Allgemeinen, denen man machtlos ausgeliefert ist. Und wenn man erst ohne Arbeit ist, sich mit Berufswahl auseinanderzusetzen hat, dann scheitern alle Bemühungen an der (in den Augen der Betroffenen!) mangelnden Unterstützung der dafür zuständigen Ämter bzw. daran, dass der Markt sowieso nichts hergibt. Paradoxerweise scheint es dennoch angesagt, sich abwartend in die Zuständigkeit genau dieser Ämter zu begeben, denn immerhin haben sie die Situation mehr zu verantworten als man selbst. 

Eine übertriebene Darstellung? 

Mag‘ sein, dass sie im Einzelfall übertrieben ist. Doch die Beratungspraxis zeigt, dass viele Menschen bei der Auseinandersetzung mit Berufsfragen vor dem Hintergrund des belasteten Arbeitsmarktthemas zunächst fast reflexartig eine solche Haltung einnehmen und genau dadurch in einem Gefühl der Machtlosigkeit steckenbleiben. Sie kennen eine Menge Gründe dafür, warum etwas nicht geht, und haben es verlernt, den Fokus darauf zu richten, was stattdessen gehen könnte durch eigene Möglichkeiten und eigenes Tun. Woher diese Haltung kommt, sei dahingestellt, unnötig jedenfalls wird vieles unreflektiert als gegeben hingenommen. 

Es bleibt unumstritten, dass es außerhalb der eigenen Person immer eine Menge von Gründen gibt und geben wird, für die der Einzelne nichts kann und auf die er keinen Einfluss hat. Doch solange er den Teil vernachlässigt, den eigenen Beitrag an einer Situation zu hinterfragen, die eigenen Möglichkeiten zu bündeln und daraus Wege abzuleiten und umzusetzen, verzichtet er auf einen wesentlichen Bestandteil der vorhandenen Lösungsmöglichkeiten, ist die Beurteilung der Gesamtsituation unvollständig. 

Entscheidend ist also, bei aller Fremdverantwortung die Eigenverantwortung im Blick zu behalten und auf ihre Wirksamkeit zu vertrauen. Es macht Spass zu erkennen, dass es innerhalb aller Unmöglichkeiten immer Möglichkeiten gibt, dass man bei aller scheinbaren Ohn-macht auch „Mit-macht“ hat, solange man aktiv und unermüdlich sein Potential nach aussen trägt. Wer außerdem auf diese Weise im Kleinen agiert, trägt automatisch zur Verbesserung der Gesamtsituation bei. 

Fazit: Wer Unzufriedenheit im Job, Gefühle der Machtlosigkeit, Arbeitsplatzsuche und andere Berufsfragen lösen möchte, hat bei der Betonung von Eigenverantwortung eine wesentliche Chance mehr.

Helene Brauns
Coaching & Bewerberberatung