Beispielhaftes Europa
Es ist schon bei vielen „Mode“ geworden, abschätzig von der Globalisierung zu sprechen. Übrigens auf allen Sozialebenen. Interessant ist aber, wenn man Menschen der verschiedenen Berufe und „Karrierestufen“ fragt, was sich hinter dem Schlagwort „Globalisierung“ eigentlich verbirgt, ist man oft enttäuscht. Denn bei genauerer Betrachtung fehlt sogar der konkrete Inhalt. Globalisierung bedeutet doch nur, dass sich etwas über den Globus ausdehnt, nicht aber, was. Ein Beispiel: Das Wort Dynamisierung meint die Anwendung von Dynamik auf einen Prozess. So bezieht sich auch Globalisierung zunächst immer auf einen Bereich, der sich aus kleinen Anfängen zu einer weltumspannenden Dimension entwickelt. Wer also gegen Globalisierung ist, sollte erst einmal erklären, was er daran negativ findet. Protestiert er gegen: weltweite Ausdehnung der Kommunikationssysteme? Anwendung neuer Technologien? Verfügbarkeit wichtiger Daten? Präsenz der Medien und ihrer Reporter? Verbreitung von Medikamenten und Therapien? Öffnung von Grenzen und Reisebeschränkungen? Transportmöglichkeiten für Menschen und Güter? Angebot von Produkten? Verbreitung der Demokratie? Durchsetzung der Menschenrechte? Man könnte mit dieser Aufzählung beliebig fortfahren, denn es sind unendlich viele Felder auf denen die Globalisierung durchaus Positives gebracht hat. Gewiss, das muss man feststellen (noch) nicht für alle. Aber in kurzen Abständen werden sich weitere Vorteile auf allen Ebenen ergeben.
Es ist Realität, dass der Welthandel seit den 50er Jahren ohne Unterbrechung wächst. Allein das Bruttosozialprodukt ist in den letzten 15 Jahren weltweit um 95 Prozent gestiegen. Der Welthandel bringt es im gleichen Zeitraum auf 180 Prozent. man darf ruhig feststellen, dass der Impuls, der die Globalisierung „vorantreibt“ sehr optimistisch ist. Die Globalisierung glaubt an eine positive Zukunft für die Menschen, während ihre Gegner immer wieder an der Vergangenheit „kleben“. Eine intakte Globalisierung setzt letztlich auf die Eigenverantwortung und somit auf die Selbstbestimmung des freien Menschen. Leider möchten die Gegner die Menschheit „diktieren“, wie sich diese zu verhalten hat.
Die Dynamik der Globalisierung gibt Aufschluss auch darüber, wie sich gerade Europa entwickelt hat. Bei der Europäischen Union war am Anfang das Ziel, einen europäischen Binnenmarkt zu errichten. Dessen erfolgreiche Einführung diese erfolge stufenweise, bot die Voraussetzung für weitere Schritte der Einigung. Diese führten zum gemeinsamen Markt, einer gemeinsamen Währung und in Zukunft auch einer gemeinsamen Politik. Es ist nicht zu leugnen: Europa konnte zusammenwachsen. Ergebnis ist auch der problemlose Austausch von Meinungen. Warum sollte dies nicht weltweit möglich sein? Gerade das Beispiel Europa zeigt, dass die Abschaffung von Zollschranken auch die Abschaffung menschlicher und nationaler Beschränktheiten (Einschränkungen??) mit sich bringt. Es dürfte jedermann klar sein, dass durch persönliche Begegnungen, weil Reisefreiheit herrscht, die Menschen sich besser kennen lernen. Dies bedeutet doch auch Toleranz gegenüber anderen Kulturen. Das europäische Waren- und Dienstleistungsangebot ist uns heute Selbstverständlichkeit geworden. Es waren „revolutionierende“ Schritte die dies ermöglichten. Durch diese Gewöhnung wird von Vielen die positive Tragweite der Globalisierung aus den Augen verloren.
Europa ist eine Erfolgsgeschichte der Globalisierung. Auch die Negativ-Aspekte, an denen sich beispielsweise ein Neo-Marxismus berauschte, letztlich den Kräften der Gemeinsamkeiten, nach Zeiten Jahrhunderte langen kriegerischen Auseinandersetzungen nichts anhaben konnten. Und es zeit sich nicht minder, dass die gefürchteten „Kapitalflüsse“, wenn sie in das richtige Bett geleitet werden, auch die kleinsten Gärten bewässern können.
Alfred Speth
Geschäftsführender Gesellschafter
